Wühlangriff der Sabotage-Nager

Sep. 13, 2025 | Uncategorized

Seit März und noch voraussichtlich bis Weihnachten stehen auf der Zugstrecke zwischen Deidesheim und Bad Dürkheim alle Räder still. Dachse haben den Bahndamm auf zwei­einhalb Kilometern Länge unterwühlt. 2021/22 war schon einmal aus dem gleichen Grund die Strecke nach Freins­heim für fast ein Jahr gesperrt. Man muss den Dachsen also dank­bar sein, dass sie sich nicht an beiden Strecken gleichzeitig zu schaffen gemacht haben, so dass wir mit dem Zug wenigstens noch in einer Richtung aus Dürk­heim herauskommen. Vielleicht sind es ja die verjagten Freinsheimer Frechdach­se gewesen, die sich jetzt über die Dei­des­heimer Strecke hergemacht haben. Man hat sich eben auf Bahndämme spe­zia­lisiert. Vor­her­zu­sehen war das aber kaum. Mann Mann Mann, unsere Bahn hat es doch schon schwer genug.

Deutschland, Land der Dachse und der Weltverbesserer

Ein Land wie Deutschland, das im Wettbewerb der Systeme mit der Technologienation China und bald in einem heißen Konflikt mit der Kriegernation Russland bestehen will, das mit Projekten wie den „Radwegen in Peru“ und viel Geld nichts weniger als die Welt zu einem besseren Ort machen will, das bis 2045 durch die Vertreibung der lästigen Indust­rie und die Drangsalierung störrischer Haus- und Heizungsbesitzer CO2-Neutralität er­rei­chen und damit irgendwie das Weltklima retten will, und das nach wie vor eine Voll­versorgung für die Mühseligen und Beladenen aller Herren Länder bereithält, die das Zauberwort aus­spre­chen (Fußnote: davon gibt es sehr viele), wird von ein paar Dachsen schachmatt gesetzt. Besser kann man sie nicht herauslassen, die heiße Luft, aus unserem Land der selbsternannten Weltenretter, wo man in Wirk­lich­keit mittlerweile daran schei­tert, pünktlich Züge von A nach B fahren zu lassen, vor­zeig­bare Straßen zu un­terhalten, genügend Woh­nungen bereit­zustellen oder eine tägliche Post­zustellung zu orga­nisieren. Die Liste ist nicht ab­schlie­ßend. Wussten Sie, dass die ukra­inische Eisenbahn nach eigenen Angaben im ersten Kriegs­jahr 2022 eine Pünkt­lich­keit von 90 Prozent er­reich­te, während in Deutschland im glei­chen Jahr nur 66 Prozent der Fern­züge pünktlich ankamen? Man wüsste gerne einmal die Zahlen von 1944. Aber selbst die 66 Prozent sind nur ein Teil der Wahrheit, denn ausgefallene Züge werden von der Bahn erst gar nicht gezählt.

Doch zurück zu den Dachsen. Es muss eine Lösung gefunden werden, damit sie nach ih­rer Vertreibung nicht gleich den nächsten Bahndamm in Angriff nehmen. Man könnte sie statt Mardern und Leoparden in die Ukraine schicken, wo sie als geborene Unter­grund­k­ämpfer Stra­ßen- und Bahndämme für russische Angriffe unpassierbar machen könnten. Das wäre doch für beide Seiten ein glänzendes Win-Win-Ge­schäft.

Landrat Ihlenfeld nimmt die Sache in die Hand

Landrat Ihlenfeld echauffierte sich Mitte Juli in einem Brief an die Bahn darüber, dass zur Wurst­marktszeit im September auch noch die Bahnstrecke Grünstadt − Freinsheim ge­sperrt werden soll und informierte darüber in einer Mitteilung auch die Presse. Den ihm sicher bekannten Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder aus der Lan­des­-CDU RLP wollte er anscheinend nicht damit behelligen, so wichtig war ihm die Sache dann wohl doch nicht. Aber die Bahn ist ja bekannt dafür, schnell und flexibel auf Kritik zu­ reagieren, weswegen sie auch schon ihre Pünkt­lichkeit auf vielfachen Kun­den­wunsch hin deut­lich ver­bessert hat. Richtig bemerkt, das war jetzt leider nur Satire. So war denn die Öf­fentlichkeit der eigentliche Adressat dieser Aktion. Seht her, ich bin auch noch da.

Aber was war das schla­gend­e Argument des Landrats? Die Bahn miss­ach­te Pfälzer Tra­ditionen wie die Wein­fest­kultur und den Dürkheimer Wurstmarkt. Denn es wäre in der Tat unzu­mutbar, wenn Wurstmarktbesucher auf ihrem Weg vom oder zum Schoppen eine halbe Stun­de länger als unbedingt nötig auf dem Trockenen säßen. Die pfälzis­che Traditi­on des täglichen Pen­delns zur Arbeit oder zur Schule, die schien dem Landrat dagegen weniger der Rede wert zu sein.

Wolfgang Fallot-Burghardt

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